Was ist eine Sterbekasse?

Sterbekassen gibt es schon seit den Römern. Hierzulande wurden sie in erster Linie von Unternehmen oder Institutionen ins Leben gerufen, um den Mitgliedern die finanziellen Lasten einer Beisetzung abzunehmen. In den meisten Fällen handelt es sich um einen Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit, die häufig regional aufstellt sind.

Diese Versicherungsvereine haben gegenüber einer klassischen Aktiengesellschaft den Vorteil, dass sie die erwirtschafteten Gewinne nicht an die Anteilseigner ausschütten, sondern die Überschüsse der Versichertengemeinschaft in Form niedrigerer Prämien oder Prämienrückzahlungen zugutekommen.

Als Alternative haben sich auch eingetragene Vereine als Sterbekassen etabliert. Bei der Sterbekasse handelt es sich um eine modifizierte Form der Lebensversicherung, die allerdings nicht auf eine von vorneherein festgelegte Laufzeit abgeschlossen wird, sondern dann zum Tragen kommt, wenn die versicherte Person verstirbt. Die Versicherungssumme kann auch nicht in unbegrenzter Höhe abgeschlossen werden, sondern ist rechtlich limitiert.

Die Sterbekassen unterliegen aufgrund ihrer sehr spezifischen Ausrichtung nicht den europäischen Vorschriften für den freien Binnenmarkt für Versicherungen. Die Interessenvertretung der deutschen Sterbekassen erfolgt ausschließlich über den deutschen Sterbekassenverband e.V.
 

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Funktion, Leistungen und Kosten der Sterbekasse

Obwohl die Leistung aus der Sterbekasse nicht zweckgebunden ist, dient die Funktion in erster Linie der Kostenübernahme einer Beerdigung und den weiteren damit verbundenen Aufwendungen. Die Leistung der modernen Sterbekassen erstreckt sich rein auf eine Barauszahlung der Versicherungssumme.

In den Gründungsjahren des 18. und 19. Jahrhunderts boten die damaligen Vereinigungen ihren Mitgliedern auch noch die Möglichkeit der Aufbewahrung der Verstorbenen sowie beispielsweise Leichentücher. Die Sterbekasse stellt auf der Basis vergleichsweise geringer Beiträge eine Lebensversicherung, die allerdings Vor- und Nachteile hat.

Die Vorteile

  • Sehr geringer Monatsbeitrag
  • Schutz der Hinterbliebenen in Bezug auf die Beerdigungskosten
  • Zielgruppe Personen mittleren Alters, die nicht die Möglichkeit haben, anderweitig Rücklagen zu bilden.
  • Die Versicherungsleistung wird auf jeden Fall gezahlt. Dies ist die Abgrenzung zu einer Lebensversicherung, deren Leistungsphase zeitlich begrenzt ist.

Die Nachteile

  • Die Verzinsung fällt teilweise recht schwach aus.
  • Die Auszahlung kann die Summe der gezahlten Beiträge unterschreiten.
  • Sehr geringer Rückkaufswert

Sinnvoll ist der Beitritt zu einer Sterbekasse für den Personenkreis zwischen 40 und 50 Jahren. Für jüngere Menschen gibt es rentierlichere Vorsorgemöglichkeiten, für die älteren steigen die Beiträge überproportional an.
 


 

Abwicklung der Bestattung über eine Sterbekasse

Wie bereits erwähnt, stehen die Leistungen der Sterbekasse zur freien Verfügung. Obwohl nicht zweckgebunden, ist das ganze Konstrukt wirklich nur auf die Begleichung der Kosten einer Beerdigung abgestellt. Der Leistungsanspruch der Hinterbliebenen besteht mit Vorlage des Totenscheins der versicherten Person durch den Begünstigten aus dem Vertrag. Die Auszahlung ist einkommensteuerfrei, kann aber der Erbschaftssteuer unterliegen.

Sterbekasse oder Sterbegeldversicherung nutzen?

Verbraucher, die beschlossen haben, ihre Hinterbliebenen von den Kosten für ihre eigene Beisetzung zu entlasten, stehen vor der Frage, ob sie dies durch eine Sterbekasse oder eine Sterbegeldversicherung tun sollen. Der Unterschied liegt lediglich in der Rechtsform des Unternehmens. Rechtlich werden die Verträge beider Anbieterkreise gleich behandelt. Das Sterbegeld, gleich, von wem es ausgezahlt wird, darf in der Summe 25.000 Euro nicht übersteigen. Dies gilt auch, wenn mehrere Verträge parallel laufen. Während Sterbekassen generell ohne Gesundheitsprüfung auskommen, dafür aber eine Wartezeit einschließen, bieten die privatrechtlichen Versicherungsgesellschaften auch Sterbegeldversicherungen an, die auf der Beantwortung der Gesundheitsfragen basieren. In diesem Fall leistet der Vertrag sofort in voller Höhe ohne einschränkende Wartezeit. Sowohl Sterbekassen als auch Sterbegeldversicherungen zahlen trotz vereinbarter Wartezeit im Falle eines durch einen Unfall verursachten Tod ohne zeitliche Einschränkung sofort in voller Höhe.

Einige Sterbegeldversicherungen bieten allerdings auch Tarife an, die nicht nur gegen laufende Beitragszahlung geschlossen werden können, sondern auch gegen einen Einmalbeitrag. Diese Tarife richten sich in der Regel an Versicherungsnehmer, die das 50. Lebensjahr überschritten haben.

Bei der steuerlichen Behandlung bestehen ebenfalls keinerlei Unterschiede zwischen Sterbekasse und Sterbegeldversicherung. Die ausgezahlte Versicherungssumme ist sowohl bei der Sterbekasse als auch bei Leistung durch einen klassischen Versicherer einkommenssteuerfrei. Überschreitet der Begünstigte jedoch die Freibeträge im Rahmen der Erbschaftssteuer, besteht eine Erbschaftssteuerpflicht. Wesentliche Unterschiede bestehen jedoch in der Rentabilität der eingezahlten Beiträge. Sterbekassen in der Form von Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit oder eingetragenen Vereinen gehören den Mitgliedern. Damit kommen die erwirtschafteten Überschüsse nach Abzug der Kosten für den Geschäftsbetrieb den Beitragszahlern entweder in Form eines günstigeren Beitrags oder einer Rückvergütung zugute. Sterbegeldversicherungen, die von Versicherungskonzernen angeboten werden, müssen zwangsläufig teurer sein.

Neben den Abschlusskosten für den Vertrieb fallen auch die erwarteten Gewinne der Anteilseigner an. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um einen Direktversicherer oder einen Serviceversicherer handelt, die Aktionäre legen Wert auf eine entsprechende Dividende. Für Versicherungsnehmer macht es daher absolut Sinn, sich vor dem Abschluss einer Sterbegeldversicherung oder dem Beitritt zu einer Sterbekasse umfassend über die Beitragshöhen zu informieren.

Im Gegensatz zu einer Sterbegeldversicherung durch einen privaten Lebensversicherer oder eine rein auf Sterbegeld spezialisierten Versicherung bieten Sterbekassen fallweise den Angehörigen weitere Unterstützung. Dazu gehört beispielsweise die Hilfe bei der Abwicklung der Formalitäten nach dem Ableben der versicherten Person. Zu der Unterstützung zählt aber auch bereits zu Lebzeiten des Versicherungsnehmers Hilfe bei der Erstellung von Vorsorgevollmachten, die für die unterschiedlichsten Bereiche, unter anderem Patientenverfügungen, gewünscht werden.

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